Neu hier?

Dann melde dich doch schnell an.

Nutzungsbedingungen annehmen
muss angeklickt sein, damit es weitergeht.

 
 

Hallo,

bevor du dich als User einloggen kannst, musst du dich zuerst als Mitglied registrieren.
Registriere dich jetzt kostenlos und finde neue Freunde. Vom Gedankenaustausch bis zum lockeren Plaudern – ist hier alles möglich!

Achtung: Nach deiner Anmeldung erhältst du eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Wenn du dem Link gefolgt bist, kannst du dich dann hier einloggen.

User Login

Ich habe mein Passwort vergessen.
wird geladen ...

Eine Frau, ein Mann und ein Haufen Missverständnisse: Am Arbeitsplatz

Von "starken" Männern und "schwachen" Frauen

„Wilde“ Jungen und „brave“ Mädchen. Immer noch ist die Zusammenarbeit zwischen Männern und Frauen im Unternehmen vielfach durch Vorurteile und Rollenstereotypen belastet. Mehr als 70 Prozent aller Frauen im erwerbsfähigen Alter gehen heute in Deutschland einem Beruf nach und leisten dort Beachtliches. Ihren Einsatz weiß man jedoch nicht immer und überall zu schätzen!

Besonders in traditionell männlichen Hierarchien müssen Frauen immer noch um Gleichberechtigung und Anerkennung im Job und als Person kämpfen. Und natürlich ganz besonders dann, wenn es um Spitzenpositionen geht. Hier haben sie meist nur zwei Möglichkeiten, um glücklich zu werden: Entweder sie suchen sich eine Stelle, in der Frauen fair behandelt werden, oder sie eignen sich männliche Verhaltensmuster an.


"Gelernt ist gelernt!" – Unzeitgemäße Rollenstereotype

Das Problem liegt auf der Hand: Die über viele Jahrhunderte festgeschriebenen Geschlechterrollen von den „wilden“ Jungen und den „braven“ Mädchen stecken besonders bei vielen Männern immer noch fest in den Köpfen. Mit der Konsequenz, dass gleiches Verhalten von Frauen und Männern nicht gleich bewertet wird.

Ist zum Beispiel der Schreibtisch eines Kollegen mit Vorgängen überhäuft, heißt es: "Der Mann ist belastbar und fleißig." Die gleiche Unordnung auf dem Schreibtisch einer Kollegin beschwört dagegen oft einen Kommentar zu ihrer Unordnung und fehlendem Organisationstalent herauf.

Wenn er mit den Kollegen spricht, geht es natürlich um geschäftliche Anliegen. Bei ihr werden solche Gespräche gerne schnell mal als "Klatsch und Tratsch" abgewertet. 

Ist er nicht an seinem Schreibtisch, ist die Antwort klar: "Er wird wohl in einem Meeting sein." Ist ihr Schreibtisch leer, lautet die Annahme eher "Sie ist wohl auf der Toilette."

Und wenn eine Frau in einer Diskussion fragt: „Darf ich noch hinzufügen, dass..“ wird dies oft als Bitte verstanden, während der männliche Kollege mit der gleichen Frage, die nunmehr plötzlich rituellen Charakter hat, ungebremst seinen Redebeitrag einleitet.Zu diesen „gelernten“ Vorurteilen kommen erschwerend alltägliche, und zuweilen weitreichende Missverständnisse durch die jeweils geschlechtsspezifische Sprache hinzu.


Es braucht kein „Fachchinesisch“, um einander erfolgreich misszuverstehen

Der grundsätzliche Unterschied in der Art, wie Männer und Frauen sprechen, liegt in der Zielorientierung der Kommunikation. Männer reden eher "lösungsorientiert", Frauen hingegen diskutieren häufiger "beziehungsorientiert". Sie suchen über das Gespräch vor allem die Gemeinsamkeit mit dem Gesprächspartner, um danach zu einer einvernehmlichen Lösung zu kommen.

Dabei verwenden Frauen oft sprachliche Mittel der Zurückhaltung (z.B. den einschränkenden Konjunktiv „Ich würde meinen ...“ oder: „ich könnte mir vorstellen ...“ oder Abtönpartikel wie „nur grad“), um ihre eigene Meinung zurückzunehmen, und dem anderen nicht über den Mund zu fahren. Diese Bescheidenheit und Rücksichtnahme zeigt zwar ein hohes Einfühlungsvermögen, führt jedoch oft dazu, dass die Kollegin von männlichen Kollegen oder Vorgesetzten als "unsicher" abgestempelt wird. 

Frauen haben dagegen im Gespräch mit Männern häufig den Eindruck, dass diese sich vor ihnen produzieren wollen, denn Männer dozieren und belehren gerne, zeigen aber für menschliche Angelegenheiten wenig Interesse.

In der Tat nutzen Männer nicht selten Mitteilungen, um sich zu produzieren. Boshafte Bemerkungen fallen beispielsweise meist nur über Leute, die sie eigentlich mögen oder aus der Ferne neidvoll bewundern. An wem sie keinen Gefallen finden, der wird nicht beachtet! Wenn Männer über andere lästern, messen sie sich insgeheim an ihnen.


Einen weiteren interessanten Punkt beschreibt Pamela M. Fishman: In den meisten Fällen obliegt die Gesprächskontrolle den Männern – besonders zuhause und unter Paaren, aber natürlich auch am Arbeitsplatz. Männer definieren, was gesprochen wird, weil auf ihre Bemerkungen reagiert wird. Frauen zeigen nämlich in der Regel deutlich mehr Minimalreaktionen als Männer, und bestärken damit den Fortgang eines Gesprächs. Und obwohl sie viel häufiger Themen anschneiden, werden diese in den meisten Fällen von Männern nicht aufgegriffen, und "verpuffen", so dass de facto meist nur das besprochen wird, was der Mann zulässt.


Ein weiterer Aspekt: Frauen fragen deutlich mehr als Männer. Dies geschieht jedoch nicht überwiegend aus Unwissenheit, sondern ist in vielen Fällen der Versuch, den Gesprächspartner direkt anzusprechen, ihn einzubeziehen, eine Reaktion  einzufordern, oder ihn in seiner Kompetenz zu bestärken. Leider wird ihnen auch dabei oft wieder Unwissenheit und Unsicherheit unterstellt.    Und noch etwas irritiert den Taktiker Mann: Frauen sehen die Definition und exakte Bedeutung der von ihnen verwendeten Wörter nicht als so wichtig an, wie vielmehr deren Intonation und die begleitende Körpersprache. Das liegt nicht zuletzt an der von Männern verschiedenen Gehirnstruktur! Auch das führt nicht selten zu zusätzlichen Verwirrungen.Ebenso birgt die indirekte Redeweise der Frauen oft Konfliktpotenzial. Wenn sie ihn beispielsweise fragt, ob er einen Kaffee möchte, will sie 1. damit die Beziehung festigen und 2. eine Gemeinschaft fördern. In der Regel möchte sie dann aber noch 3. dazu selbst gerade gerne einen Kaffee, was sie jedoch nicht direkt ausspricht. Verständlicherweise verstehen Männer diese Spielregeln oft nicht!Und die Männer? Sie sind direkt. Sie sagen, was sie denken. Einfach und geradeaus. Das kommt bei Frauen dann unter Umständen als kurz angebunden und unhöflich an, obwohl es nicht so gemeint war.Doch auch gleichgeschlechtliche Begegnungen im Konkurrenzkampf um einen Job provozieren Konflikte. Und hier sind die Frauen oft nicht nur arme, unschuldige Opfer... 


Zickenterror oder gesunder Wettbewerb?

Der Umgang mit Hierarchien und Wettbewerbssituationen im Berufsalltag weist deutliche Unterschiede im männlichem und weiblichem Verhalten, und vor allem untereinander auf.

Während Männer regelrecht aufblühen, wenn sie miteinander in Wettbewerb treten, verwandeln sich Frauen schnell in Feindinnen. Frauen kommen mit Frauen solange gut aus, wie sie Gleiche unter Gleichen sind. Dann unterstützen sie einander, tauschen ihre Dienste bei Bedarf und genießen den kollegialen Klatsch und Tratsch. Sobald es aber um professionellen Aufstieg geht oder um das Verhältnis zu einer Vorgesetzten kommt die Rivalität ins Spiel. Da Frauen Wettbewerbssituationen oder Kritik persönlich nehmen, fällt ihnen der Umgang damit eher schwer.    Männer haben dagegen im allgemeinen ein stärkeres Durchsetzungsvermögen, halten leichter Widerspruch aus, sind nicht zwingend harmoniesüchtig. Und da sie nicht über Gefühle reden, bieten sie weniger Angriffsfläche. Sie bilden im Job Seilschaften, während sich Frauen das Leben gegenseitig zur Hölle machen können.

Auch Männer kennen Missgunst, aber sie haben ihre Rituale, so dass selbst aggressive Konkurrenz selten zum persönlichen Konflikt führt. Männer können nach einer entschiedenen Top- oder Flopsituation durchaus weiter Kollegen sein. Das Ergebnis trifft sie nicht als Person.

Frauen dagegen orientieren sich weniger an formalen Rollen als an Persönlichkeit. Bei ihnen nistet sich im Fall der Niederlage leicht das Gefühl persönlicher Vernichtung ein. Für eine Frau ist das soziale Klima mindestens so wichtig wie ihre Position. Sie wird also den offenen Wettkampf instinktiv meiden. Hier ist es wichtig für Frauen Fairplay einzuüben, und Konkurrenzfähigkeit wertzuschätzen – auch die der Kontrahentin.


Und wie lautet nun die Lösung für all diese Probleme?


Ein Allheilmittel gibt es sicher nicht

, und es ist auch nicht zu erwarten, dass sich durch reine Erkenntnis und Vernunft plötzlich alle Probleme von selbst lösen. Aber vielleicht kann man  folgendes zusammenfassen:

  • Frauen sollten mehr an sich denken, direkter sagen, was sie wollen, und sich nicht aus falscher Rücksichtnahme selbst ins Hintertreffen bugsieren. Dabei geht es nicht darum, es den Männer gleich zu tun, denn oft werden von Frauen geäußerte direkte Angriffe oder Kritiken von Männern weniger geduldet als von gleichgestellten Kollegen. Männer sollten mehr auf die zurückhaltende Art der Frauen achten, und sie nicht vorschnell als Inkompetenz oder Unentschlossenheit abwerten
  • Männer reden nacheinander. So wie sie nacheinander handeln und in der Regel nicht 3 Dinge gleichzeitig tun können. Deswegen sollte Frau ihn ausreden lassen, wenn er „dran“ ist, da er sonst seine Rede als sinnlos ansieht.
  • Frauen sollten einen logischen Aufbau beachten, wenn sie mit einem Mann kommunizieren wollen. Dazu gehört: WAS bespreche ich WANN – und keine halbgaren Andeutungen
  • Wenn Männer Hilfe und Kritik ablehnen liegt das oft daran, dass sie beim Eingestehen eines Fehlers eigenes Versagen zugeben würden, was ihnen unglaublich schwer fällt. Es bedeutet in der Regel keine Respektlosigkeit vor dem Gegenüber, sondern Ärger über sich, versagt zu haben.


Die Psychologin Mechtild Erpenbeck berät Unternehmen zum Thema „Frauen und Konkurrenz“, und schilderte 2003 in einem Interview mit der „Zeit“ das Problem, dass Frauen durch vermehrt weibliche Führungskräfte es nun auf ihrem beruflichen Weg zunehmend mit Frauen zu tun hätten, was oft für Brisanz sorge. Viele Personalentwicklern klagten, dass Frauen sich unsolidarisch verhielten. Wenn sie es bis zur Spitze geschafft hätten, hielten sie sich selbst das Hinterland frei und stellten den weiblichen Führungsnachwuchs kalt. Frauen konkurrierten nicht häufiger, sondern anders als Männer. Sie hätten weniger Erfahrung mit Karrierekonflikten und keine Rituale, damit konstruktiv umzugehen. Sie trügen Konkurrenz oft auf eine unterschwellige Weise aus, die die Kommunikation blockiere und Entscheidungen verschleppe. Und am Ende müsse meistens eine von beiden gehen.


Literatur: 

Allan & Barbara Pease: Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken, München, 2000

Senta Tröml-Plötz: Gewalt durch Sprache, Fischer, 1994

www.berlinx.de, Mai 2001

Interview von Jutta Hoffritz mit M. Erpenbeck, Die Zeit, 11.12.2003


Social Bookmarks: